Am 2. Juli 2026 wurde die Rente umgebaut: Neu sind eine Rente, die zusätzlich an der Börse anlegt (die „Kapitalrente"), ein späterer Renteneintritt und mehr Geld für Mütter. Dieses Dashboard erklärt die Zahlen dahinter — und den größeren Zusammenhang: die Alterung der Gesellschaft, die Abzüge vom Lohn, woher der Staat sein Geld nimmt und die Schulden. Du kannst alles selbst ausprobieren und sehen, was wirklich etwas bewegt.
In fast jedem Abschnitt gibt es Regler und Schalter zum Ausprobieren. Bewege sie — die Grafiken rechnen sofort neu. Die farbigen Kästen helfen dabei: Grün erklärt die Bedienung, Blau gibt Hintergrund, Gelb sagt, wo eine Zahl nur geschätzt ist. Alle wichtigen Zahlen sind mit Quelle belegt (ganz unten zum Nachlesen).
Der Grund für die ganze Debatte ist einfach: Es gibt immer mehr ältere Menschen und immer weniger, die arbeiten. Ab Mitte der 2020er gehen die geburtenstarken Jahrgänge (die „Babyboomer") in Rente. Dann zahlen weniger Menschen in die Rentenkasse ein, während mehr Menschen eine Rente bekommen.
In den nächsten 15 Jahren gehen etwa 16,5 Millionen Babyboomer in Rente. Die Zahl der über 67-Jährigen steigt von 16,7 auf mehr als 20,5 Millionen. Ohne Gegenmaßnahmen müsste der Rentenbeitrag (heute 18,6 % vom Lohn) auf 22 bis 24 % steigen. Genau dagegen sollen die neue Kapitalrente, der spätere Renteneintritt und die weiteren Stellschrauben helfen.
Man kann sich das wie eine Waage vorstellen. Auf der einen Seite liegen die Kosten, die den Rentenbeitrag und die Staatsausgaben nach oben treiben. Auf der anderen die Entlastungen, die die Reform bringen soll. Wie viel davon wirklich eintritt, hängt davon ab, wie gut die Reform umgesetzt wird und wie sich die Börse entwickelt.
Mit dem ersten Regler stellst du ein, wie gut die Reform in der Praxis klappt. Mit dem zweiten, wie gut sich das an der Börse angelegte Geld entwickelt. Die Waage zeigt dann, ob unterm Strich mehr Kosten oder mehr Entlastung übrig bleiben — und ob Rentenbeitrag und Staatsausgaben eher steigen oder sinken.
Beginnen wir mit der Steuer, über die am lautesten gestritten wird: der Einkommensteuer. Die Grafik zeigt zwei Dinge — wie viel Steuer auf den zuletzt verdienten Euro anfällt und wie hoch der Steuersatz auf das gesamte Einkommen im Schnitt ist. Du kannst zwischen heutigem Recht und der Reform 2026 umschalten (höhere Sätze für sehr hohe Einkommen: 45 % ab 250.000 €, 47 % ab 280.000 €), Single oder Ehepaar wählen, den Soli an- und ausschalten und eigene Stufen ausprobieren.
Der Satz auf den letzten Euro sagt, wie viel von einem zusätzlich verdienten Euro als Steuer weggeht. Der Durchschnittssatz ist immer niedriger, weil die ersten Euro steuerfrei bleiben und erst höhere Einkommensteile stärker besteuert werden. 2026 greift der Satz von 42 % ab 69.879 € Jahreseinkommen (bei Singles), der Höchstsatz von 45 % ab 277.826 €.
Wenige Menschen mit sehr hohen Einkommen — da müsste doch viel zusammenkommen, wenn man sie stärker besteuert? Überraschenderweise nein. Höher besteuert wird nur der Teil des Einkommens oberhalb der Grenze, und ganz oben gibt es zusammengerechnet erstaunlich wenig Einkommen.
Erstens: Höher besteuert wird nur der Teil des Einkommens über der Grenze, nicht das ganze Einkommen. Zweitens: Die Gruppe ganz oben ist zu klein, um viel beizutragen — die 14 Milliarden aus „42 auf 45 %" kommen vor allem von gut verdienenden Fach- und Führungskräften, nicht von den Superreichen. Drittens: Gerade Spitzenverdiener weichen am ehesten aus, etwa indem sie Einkommen verlagern oder weniger arbeiten.
Wähle die Regeln (heute oder Reform) und probiere eigene Steuerstufen aus. Mit den zwei Reglern stellst du ein, wie stark die Menschen auf höhere Steuern reagieren — Gutverdiener weichen dabei stärker aus als die Mittelschicht. Die geschätzten Mehreinnahmen tauchen dann gelb bei „Woher das Geld kommt" auf. Darunter kannst du frei verteilen, wofür das Geld ausgegeben wird — und siehst sofort, ob es reicht.
Die Einnahme-Zahlen stammen aus einem Modell, nicht aus einer amtlichen Vorhersage. Wie stark Menschen wirklich ausweichen, ist unter Fachleuten umstritten — fällt es geringer aus, käme mehr Geld herein. Und höhere Steuern auf sehr Reiche werden oft nicht mit den Einnahmen begründet, sondern mit dem Wunsch nach mehr Gerechtigkeit.
Die größte Last für die meisten Menschen ist nicht die Einkommensteuer, sondern die Abgaben für die Sozialversicherung. Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung machen 2026 zusammen rund 42,3 % des Bruttolohns aus — je zur Hälfte von den Beschäftigten und ihren Arbeitgebern getragen. Damit ist die früher versprochene Obergrenze von 40 % überschritten, und die neue Kapitalrente kommt mit noch einmal 2 Punkten obendrauf.
Diese Abzüge machen Arbeit teurer: Für Arbeitgeber steigen die Kosten, und den Beschäftigten bleibt weniger netto übrig. Jeder zusätzliche Punkt trifft also die Wettbewerbsfähigkeit und das, was die Menschen im Geldbeutel haben — deshalb sind die 2 Punkte für die Kapitalrente umstritten. Kritiker (etwa das Institut der deutschen Wirtschaft) nennen sie „Gift fürs Wachstum"; Befürworter sagen, dafür bauen die Menschen langfristig ein Vermögen fürs Alter auf.
Genau bei diesen Abgaben, die alle betreffen, setzen die wirksamen Hebel an — das Gegenstück zur Spitzensteuer. Ob der Rentenbeitrag, das Renteneintrittsalter oder wie viele Menschen überhaupt arbeiten: Das wirkt auf die große Masse aller Einzahler und Rentner. Deshalb bewegt hier schon ein kleiner Schritt zweistellige Milliardenbeträge — während ein höherer Spitzensteuersatz kaum etwas ändert.
Zieh an den drei Reglern. Der grüne Balken zeigt, was deine Kombination pro Jahr bringt — direkt vergleichbar mit der Spitzensteuer und dem Finanzbedarf darunter. Du erreichst schnell die Größe des Haushaltslochs — etwas, das eine Spitzensteuer allein nie schafft.
Schon ein einziger Beitragspunkt (16 Mrd.) bringt mehr als der ganze Sprung beim Spitzensteuersatz von 42 auf 45 % (14 Mrd.). Der Preis dafür: höhere Abzüge vom Lohn, ein längeres Arbeitsleben und die schwierige Frage, wie man überhaupt mehr Menschen in Arbeit bringt. Die großen Geldfragen lassen sich nur über diese breiten Hebel lösen — nicht über die schmale Spitze der Top-Verdiener.
Das Werkzeug oben zeigt nur die Einkommensteuer — dabei ruht der Staat auf drei großen Säulen: den Sozialbeiträgen (mit rund 800 Mrd. € die größte Einzelquelle), der Mehrwertsteuer und der Lohn- und Einkommensteuer. Steuern, über die viel geredet wird — etwa die Erbschaftsteuer — bringen dagegen erstaunlich wenig.
Die Erbschaftsteuer wird in Debatten über Geldnot oft genannt, bringt aber selbst im Rekordjahr nur rund 13 Mrd. €. Eine Steuer auf Börsengeschäfte (auch Finanztransaktionssteuer genannt) gibt es in Deutschland derzeit nicht. Je nachdem, wie umfassend man sie gestaltet, könnte sie zwischen rund 1,4 Mrd. € (nur auf Aktien, Modell von 2019) und rund 12 Mrd. € (breite EU-Variante) bringen — sehr weit gefasste Schätzungen reichen bis 17–36 Mrd. Die wirklich großen Summen liegen aber bei Mehrwertsteuer, Lohnsteuer und den Sozialbeiträgen.
Über allem steht die Frage der Schulden. Der Staat schuldet rund 2,8 Billionen € — das sind 63,5 % einer ganzen Jahres-Wirtschaftsleistung. Im März 2025 wurde die Schuldenbremse (eine Regel, die neue Schulden begrenzt) deutlich gelockert: Es gibt jetzt einen Extra-Topf über 500 Mrd. € für Straßen, Schienen und Netze — und Verteidigung darf weitgehend auf Pump finanziert werden.
Befürworter sehen darin eine überfällige Modernisierung des Landes. Kritiker (etwa der Bundesrechnungshof und der Bund der Steuerzahler) warnen vor immer weiter steigenden Schulden und Zinsen, die künftig den Spielraum einengen. Wie stark die Schulden am Ende wachsen (in den Schätzungen bis 85–96 %), hängt vor allem davon ab, wie dauerhaft die Verteidigungs-Ausnahme genutzt wird.
Zum Nachschlagen: die einzelnen Kostenblöcke und der finanzielle Rahmen, in dem die Reform steht — jedes Thema mit belegten Zahlen und, wo möglich, langen Zeitreihen.
Zusätzlich 2 % vom Lohn (je 1 % von Beschäftigten und Arbeitgebern), ab 2028 schrittweise. Das Geld wird an der Börse angelegt, auf eigenen Konten, zentral verwaltet — Vorbild ist Schweden. Ein heute 22-Jähriger könnte laut Kommission später rund 770 € im Monat zusätzlich bekommen — aber ohne Garantie, denn an der Börse sind auch Verluste möglich. Spürbar wird das erst ab etwa 2040.
Alle wichtigen Zahlen mit Quelle, Titel und Datum. Die verlinkten Namen (↗) führen direkt zum Original-Dokument. Die Rechen-Werkzeuge auf dieser Seite sind bewusst vereinfacht und als Schätzung gekennzeichnet — sie zeigen die ungefähre Größenordnung, keine amtliche Vorhersage.